Die Fotografische Sammlung im Museum Folkwang

Walter Peterhans (1897 – 1960) Bildnis eines Herrn, vor 1932

1978 wurde die Fotografische Sammlung als eigenständige Abteilung im Museum Folkwang eingerichtet. Zuvor spielte die Fotografie eine nachgeordnete Rolle, wenngleich der Fotograf, Professor und Kurator Dr. Otto Steinert als Gastkurator ein Mal im Jahr eine Ausstellung am Museum verantworten konnte. Die Sammlung basierte zu deren Gründung auf der von Otto Steinert kontinuierlich ausgebauten Studiensammlung an der Folkwang Hochschule in Essen und dessen eigener Sammlung. Sein fotografischer Nachlass konnte nachfolgend in die Sammlung integriert werden. Seit ihrem Bestehen und unter der langjährigen Leitung von Ute Eskildsen (bis 2012, bis 2017 nachfolgend Florian Ebner), konnte diese sukzessive erweitert, Sammlungsschwerpunkte ausgebaut und profiliert werden. Die Sammlung umfasst heute unter Berücksichtigung von Dauerleihgaben, wie dem umfangreichen Girardet-Verlagsarchiv, rund 65.000 fotografische Abzüge, neben Kontakten und Negativen aus einzelnen Autorennachlässen. Die Aktivitäten der Sammlung genießen internationale Anerkennung, da diese neben ihrem bemerkenswerten Bildbestand oft auch mit innovativen Ausstellungsthemen- und konzepten über den lokalen Raum und über Landesgrenzen hinaus, Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Die Fotografische Sammlung initiierte hierbei sowohl Einzel- oder Wanderausstellungen und kooperiert/e mit anderen Institutionen. Von Beginn an wurden neben monografischen Positionen, themenbezogene Ausstellungen kuratiert, die sowohl von historischer als auch zeitgenössischer Relevanz waren. Künftig wird nun die Fotografische Sammlung neben ihren Sonderausstellungen mit ihren wichtigen Beständen am Haus wieder sichtbarer werden und zudem offener in den Dialog mit anderen Medien und Positionen treten.

Der zeitliche Sammlungsschwerpunkt liegt in 1920/30er und den 1950/60er Jahren, sowie in der Fotografie der Gegenwart, wobei das 19. Jahrhundert und die Kunstfotografie ebenso mit herausragenden Positionen vertreten ist. Das Sammlungsgebiet beinhaltet künstlerische, dokumentarische und journalistische Fotografie; thematische Schwerpunkte kristallisieren sich mit der Darstellung des Menschen und der Architektur heraus, denen sich experimentelle Arbeiten und Ansätze sowie zunehmend medienreflexive Werke anschließen. Neben einzelnen Werken und Werkgruppen (Robert Frank, William Eggleston, Jochen Gerz, Roni Horn, Wolfgang Tillmans, Heidi Specker, Volker Heinze, Joachim Brohm, Grit Hachmeister, Timm Rautert, Sven Johne, u.a.) besitzt die Sammlung zahlreiche umfangreichere Konvolute zu verschiedenen BildautorInnen (u.a. Aenne Biermann, Max Burchartz, Lotte Errell, Richard Levy (Errell), Lotte Jacobi, Laśzló Moholy-Nagy, Albert Renger-Patzsch, August Sander, Hugo Erfurth, Heinrich Kühn, Ella Bergmann-Michel, Anneliese Kretschmer, ringl+pit, Detlef Orlopp, Jürgen Heinemann, Günter Hildenhagen). Die Sammlung beherbergt zahlreiche Fotografien von Steinert-Schülern unter verschiedenen Themenstellungen, Positionen aus den legendären Ausstellungen zur subjektiven fotografie in den 1950er Jahren wie auch zur Gruppe fotoform. In den Bestand reihen sich im zeitgenössischen Kontext die Arbeiten der Preisträger der Dokumentarförderpreise der Wüstenrot-Stiftung ein. Neben den umfassenderen Verlagsarchiven wie dem Auriga-Verlag und dem Giradet-Verlagsarchiv und dem Dokumentationsarchiv zu „Family of Man“ konnten zudem durch Ankäufe und Schenkungen seit 1978 wichtige Archive/Nachlässe von Bildautoren erworben werden. Hierzu zählen u.a. Ewald Hoinkis, Helmar Lerski, Germaine Krull, Helmuth Kurth, Walter Peterhans, Fee Schlapper, Otto Steinert, Dorothea von der Osten, Wolfgang Weber, Claudia Deffarge/Gordian Troeller, Rolf Gillhausen, der Teilnachlass von Peter Keetman wie auch der fotografische Nachlass des Künstlers Helmut Hahn. Unter den Nachlässen befinden sich sowohl fotokünstlerisch bedeutsame, als auch wichtige angewandte und journalistische Positionen.

Das Museum Folkwang vertritt zudem die Urheberrechte für: Errell (Richard Levy), Germaine Krull, Helmar Lerski, Walter Peterhans, Fee Schlapper und Otto Steinert.

Darüber hinaus betreut die Sammlung seit mehreren Jahren Programme und Preise wie die Arbeitsstipendien der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung für „Zeitgenössische Fotografie“ und der „Museumskuratoren für Fotografie“, den Renger-Patzsch Preis und die Dokumentarpreise der Wüstenrot-Stiftung.

Die Sammlung ist in weiten Teilen digital erschlossen, im Moment jedoch nur eingschränkt online präsent. Derzeitig wird jedoch zielstrebig an Veröffentlichungsstrategien für den offenen online-Zugang gearbeitet. In der Zwischenzeit ist der Bestand der Fotografischen Sammlung von außen über eine stetig aktualisierte Künstler- und Autorenliste auf der Webseite des Museums sichtbar, wie auch schwerpunktmäßig über die Rubrik: Chronologische Einblicke. Für konkrete Fragen zu Bestandsinhalten und – umfang wird empfohlen, die Sammlung direkt zu kontaktieren.

Vor Ort ist diese selbstständig anhand historischer Karteikarten (bis 2006 geführt) einsehbar sowie auf Anmeldung mittels Katalogisierungsbögen (bedeutsam eher für Archive, Nachlässe) und der museumsinternen Datenbank Mplus, die über ein Laptop zugänglich ist. Es wird versucht die Vorlage von Originalen im Studienraum für Recherche- und Studienzwecke zu gewährleisten, welche jedoch nur eingeschränkt und nach terminlicher Absprache (Hauptstudientag: Donnerstag) möglich ist.

Adresse

Museum Folkwang Fotografische Sammlung
Museumsplatz 1
45128 Essen
Deutschland

Ansprechpartner

 

Leitung: Thomas Seelig (seit September 2018)

Tel.: 0201-8845100, photography@museum-folkwang.essen.de

Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Sammlungsverantwortliche: Petra Steinhardt

Tel.: 0201-8845106, petra.steinhardt@museum-folkwang.essen.de

Assistenz: Annegret Küppers / Christina Buschmann:

Tel.: 0201-8845117, photography@museum-folkwang.essen.de

www.museum-folkwang.de