Rückblick: Inspektion Fotoarchive am 26. Oktober 2018 in Oberhausen

Die Ausstellung „STOFFWECHSEL – Die Ruhrchemie in der Fotografie“ bot einen idealen Rahmen für den Start unserer neuen Veranstaltungsreihe. Zu Beginn traf sich die Gruppe im beeindruckenden Peter-Behrens-Bau in Oberhausen. Hier ist noch bis zum 17. März 2019 mit 250 Fotografien der größte Teil der Ausstellung zu sehen, geordnet nach Themenschwerpunkten wie „Industrielandschaften“, „Mitarbeiter/Arbeitsplätze“ und „Ereignisse“. Zu den Höhepunkten gehören die Arbeiten von Albert Renger-Patzsch, darunter bisher unbekannte Motive. Ebenfalls zu entdecken: das Werk von Carl August Stachelscheid. Kurator Rainer Schlautmann (DGPh) erklärte anschaulich wie Fotografie über Jahrzehnte zur Dokumentation, Repräsentation und Kommunikation von der Ruhrchemie eingesetzt wurde und welche Recherchen der Ausstellung vorausgingen. Ca. 25.000 Fotografien sind seit 1927/28 im Auftrag der Ruhrchemie und ihrer Nachfolgegesellschaften entstanden. Der komplette Bestand wurde in die Sammlung des LVR-Industriemuseums übernommen.

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Ausstellungsbesuch STOFFWECHSEL, Foto: Christian Ahrens

Am zweiten Ausstellungsort, im Kleinen Schloss der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, wurde unsere Gruppe von der Direktorin Dr. Christine Vogt begrüßt. Noch bis zum 24. Februar 2019 werden hier Werkgruppen von Fotografen gezeigt, darunter Arbeiten von Rudolf Holtappel, dessen Nachlass 2017 von der Ludwiggalerie angekauft wurde. Eine Überraschung sind hier die zahlreichen Farbaufnahmen von Robert Häusser, fotografiert für die Ruhrchemie auf Mittelformat-Farbdias.  

Den krönenden Abschluss bot ein Einblick in das – sonst nicht öffentliche – Archiv des LVR-Industriemuseums. Da der Sammlungsleiter Michael Gaigalat verhindert war, begrüßte uns dankenswerterweise Museumsdirektor Dr. Walter Hauser. Seit seiner Gründung sammelt das LVR-Industriemuseum Fotografie – in zwei verschiedenen Blickrichtungen: moderne Autorenfotografie von Fotografinnen und Fotografen wie z.B. Joachim Brohm, Brigitte Kraemer, Wilfried Krüger, Joachim Schumacher, Thomas Strenge oder Mark Wohlrab. Sowie als deutlich größeren Bestand historische Fotografien wie das Archiv der Ruhrchemie oder das Negativarchiv der Werkfotografischen Abteilung der Gutehoffnungshütte. Deutlich wurde vor welchen Herausforderungen eine öffentliche Institution wie das LVR-Industriemuseum steht, wenn ein solches Konvolut übernommen wird. 

DGPh-Mitglied Christian Ahrens schrieb über die Veranstaltung: „Die Führung durch die Ausstellungen und durch das Archiv waren für mich ausgesprochen spannend, interessant und auch motivierend. Als Industriefotograf fühle ich mich dem Thema natürlich sehr nahe und sehe in vielen Bildern der Kollegen von damals, wie sehr sich die fotografischen Probleme und Herausforderungen ähneln. Es ist hochspannend, ihre Ergebnisse zu betrachten und ihre Lösungen zu analysieren.

Und was mir auch viel bewusster geworden ist: Auch wenn viele der ausgestellten Fotos im vermeintlich schnöden PR-Auftrag entstanden sind, geben sie doch "über die Zeit" Auskunft über viel mehr: über das Selbstverständnis der Fotografen genauso wie das der Unternehmen oder auch der Arbeitnehmer. Es sind in jedem Fall Zeitdokumente, die über die konkrete Anwendung hinaus wirkungsvoll und interessant sein können.“

Ein Text von Anna Gripp für das Netzwerk Fotoarchive der DGPh.