Das Bildarchiv des Deutschen Filminstituts, Frankfurt/Main

Ulrich Mühe als Stasi-Spitzel in dem Oscar-prämierten Film DAS LEBEN DER ANDEREN, David Cronenberg bei den Dreharbeiten zu TÖDLICHE VERSPRECHEN, Ingrid Bergman mit einer Rolleiflex hantierend, eine historische Aufnahme von den Brüdern Lumière – die hier genannten Bilder geben nur einen kleinen Einblick in die äußerst reichhaltigen fotografischen Sammlungen des Deutschen Filminstituts in Frankfurt am Main.

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Ingrid Bergman bei den Dreharbeiten zu „Viaggio in Italia“ (Liebe ist stärker“), 1953. © G.B. Poletto, Rom

Die seit 1949 bestehende Institution hat im Januar 2006 auch das 1978 gegründete Deutsche Filmmuseum mit seinen Sammlungen übernommen. Hervorgegangen ist das Deutsche Filminstitut (bis 1998 Deutsches Institut für Filmkunde) aus dem Archiv für Filmwissenschaft, welches der Publizistik- und Filmwissenschaftler Hans Wilhelm Lavies 1947 in Marburg ins Leben rief. Lavies, der den Verlust des Reichsfilmarchivs als eine der größten Dokumentations-Sammlungen der Welt beklagt hatte und bis 1958 Direktor des Deutschen Instituts für Filmkunde war, arbeitete daran, diesen Verlust auszugleichen. Wie unter seiner Ägide sieht die Einrichtung es auch heute als ihre Hauptaufgabe an, neben Filmen, auch Informationen und Materialien zu allen neu anlaufenden Filmen im deutschen Kino zu sammeln und aufzuarbeiten. Entstanden ist hierbei eine der größten filmwissenschaftlichen Spezialbibliotheken in Deutschland. Daneben verfügt das DIF über ein Text-, Bild-, Plakat-, Musik- und Gerätearchiv sowie über diverse Sammlungen und Nachlässe.

Im Hinblick auf das Bildarchiv bilden etwa 2,1 Millionen Fotoabzüge, DiaPositive, Negative und digitale Bilddaten zu nationalen und internationalen Filmproduktionen den Kern der Sammlung. In dem Bestand befindet sich neben Fotografien aus den frühen Jahren – die ältesten Originalabzüge sind aus dem Jahr 1907 – auch Bildmaterial zu aktuellen Filmen wie Kai Wessels HILDE (2009) oder Sam Mendes ZEITEN DES AUFRUHRS (2009). Die engen Kontakte, die das Institut zu Verleihern und Verlagen besitzt, sorgen für die ständige Erweiterung der Bestände, so dass selbst die Fotos neuester Produktionen – oftmals bereits vor ihrem Kinostart – in die Sammlung aufgenommenwerden können. Eine Rarität innerhalb derselben stellen die Original-Aushangfotos deutscher Stummfilme dar sowie die mit einem „Verboten“-Stempel versehenen Fotos, deren Veröffentlichung die Zensurbehörden der Weimarer Republik untersagten, nachdem sie nicht den Moralvorstellungen der Zeit entsprachen.

Außergewöhnlich viel Material ist zudem zu den Filmen aus der NS-Zeit vorhanden. Dabei zeigen die Werbesätze zu den einzelnen Filmen – vornehmlich Film-Stills und Portraitaufnahmen – eine technische Entwicklung innerhalb der Filmfotografie auf, welche vom Silbergelatineabzug über das handkolorierte Foto zum Farb-Dia bis hin zum digitalen Bild reicht. Die Archivierung der Bilder veränderte sich entsprechend. Lagern die Fotografien – zumindest die zu den deutschen und US-amerikanischen Produktionen – in archivfesten Materialien und einem klimatisierten Raum, so bedarf es für die digitalen Bilder nur noch eines Servers mit ausreichend großer Speicherkapazität.

Der Kern dieser täglich wachsenden Sammlung wird ergänzt durch verschiedene kleinere Sammlungen. So verwaltet das Archiv eine Sammlung zu 6400 (!) Persönlichkeiten des internationalen Films: zu Schauspielern und Regisseuren, Produzenten und Autoren, Kameraleuten, Komponisten, Maskenbildner, Tontechniker, Funktionären von Filmverbänden, Inhabern von Filmzeitschriften, Filmjournalisten und…und…und. Nur beispielhaft seien hier die französische Schauspielerin Brigitte Bardot, der Komponist Friedrich Hollaender, die meist ausgezeichnete amerikanische Kostümbildnerin Edith Head, der Erfolgs-Produzent, Drehbuchautor und Regisseur Bernd Eichinger und die über zwei Jahrzehnte hinweg einzige weibliche Regisseurin in Hollywood mit dem zudem größten Œuvre – Dorothy Arzner – genannt.

Daneben existiert noch Bildmaterial zu Dreharbeiten, Filmtechnik, Ateliers, Kostümen, Kinos oder Kinowerbung. Auch eine umfangreiche Portrait- und Starpostkartensammlung, die eine Vielzahl von Stücken mit Widmungen und Autogrammen enthält, gehört mit zum Archiv.

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„Rose Bernd“ mit Raf Vallone und Maria Schell, 1957, © Bavaria Filmkunst AG

Darüber hinaus finden sich noch unzählige Fotografien in den Sammlungen und Nachlässen, die das Deutsche Filmmuseum in das Institut mit eingebracht hat. Besonders reich an fotografischem Material sind hier unter anderem das Artur Brauner-Archiv, der Nachlass des Produzenten Ludwig (Luggi) Waldleitner wie auch jener von Volker Schlöndorff, wo mehrere tausend Motiv-, Arbeits- und Standfotos einen Überblick über 30 Jahre Regiearbeit geben. Von Standfotografen haben bis dato nur zwei das Bildarchiv beschenkt – Peter Gauhe, der insgesamt 15 Regiearbeiten von Rainer Werner Fassbinder dokumentierte und Li Erben – sie war 1958 mit 19 Jahren Deutschlands jüngste Standfotografin –, die dem Archiv 1999 nach Abschluss einer ihr gewidmeten Ausstellung eine Auswahl ihrer Arbeiten übergab. Hierin zeigt sich auch ein Problem der Branche. Denn in der Regel liegen die Bildrechte bei der jeweiligen Produzentenfirma oder dem Verleih und nur selten wurde und wird noch heute ein Standfotograf bei der Veröffentlichung seiner Fotos namentlich genannt. Für all diejenigen, die anonym geblieben sind, mögen die Worte von Silke Hartmann ein Trost sein, die 1999 in einem Artikel über den Berufsstand, schrieb: „Ohne Filmfotografien wäre keine Ausstellung, keine Ankündigung in einer Fernsehzeitung, keine Dokumentation der Filmgeschichte und kein Filmbuch denkbar.“

Einen besseren Einblick in das Bildarchiv als die hier gezeigten Fotos liefert das filmportal. Die Website, ein Projekt des Filminstituts in Zusammenarbeit mit CineGraph – Hamburgisches Centrum für Filmforschung e.V., bietet Informationen zu circa 75.000 deutschen Filmen. Bisher haben circa 5.500 der wichtigsten Filme eine Fotogalerie. Bei den Fotos handelt es sich immer nur um eine Auswahl aus dem Bestand – in den meisten Fällen sind weitaus mehr Bilder zu einem Film im Archiv vorhanden. Zusätzlich zu den Filmen sind auch viele Filmschaffende mit Porträtfotos aus der Sammlung im Portal. Aktuell beläuft sich ihre Zahl auf 2.500.

Das Bildarchiv selbst kann nach Terminabsprache eingesehen werden. Es ist seit November 2009 in den Räumlichkeiten des Filmarchivs in Wiesbaden-Biebrich untergebracht. Die Adresse wie auch seine Mitarbeiter und weitere Informationen finden sich auf den Websites der vereinten Institute.

Deutsches Filmmuseum:  www.deutschesfilmmuseum.de
Deutsches Filminstitut:  www.deutsches-filminstitut.de

Roswitha Salzberger
Der Beitrag erschien erstmals in der Reihe „Spezialarchive“ in PHOTONEWS Mai 2009.